Aus Arfurts Kirchengeschichte

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Arfurt wird ebenso wie Villmar geschichtlich zum ersten Mal genannt in einer Urkunde Kaiser Heinrichs III. aus dem Jahre 1053. Demzufolge schenkte der Kaiser der Benediktinerabtei St. Eucharius (nachmals St. Matthias) in Trier den königlichen Hof Villmar nebst den umliegenden Ortschaften. In einer späteren Urkunde werden diese aufgezählt: Arenfurth, Zültebach, Sesebach, Selebach, Aumenau, Degernbach, Gladbach, Fürfurt, Treisfurt, Münster, Weyer, Oberbrechen.

Was war der Grund zur Schenkung?

Kaiser Heinrich hatte in Goslar einen Dom erbaut und erbat für das Heiligtum Reliquien vom Trierer Erzbischof Eberhard. Dieser hatte aber offenbar keine zur Verfügung und legte deshalb den Mönchen des Matthiasklosters nahe, den Wunsch des Kaisers zu erfüllen. Daraufhin überließ das Kloster dem Herrscher einen beträchtlichen Teil der in seinem Besitz befindlichen Reliquien des hl. Valerius. Zum Dank dafür schenkte Heinrich den Mönchen von St. Matthias den Königshof Villmar. Diese bauten dort ein Kloster und betreuten von Villmar aus seelsorgerisch die ihnen unterstellten Gemeinden. Für die Wahrung der weltlichen Geschäfte setzten sie einen "Vogt" ein, der zumeist dem Grafengeschlecht derer von Leiningen oder von Isenburg entstammte.

Da Arfurt in der Schenkungsurkunde genannt wird, muß es schon im 10. Jahrhundert bestanden haben. Eine Kapelle, die wohl nach 1053 am Hang an der Lahn, wo heute die große Mauer steht, erbaut wurde, wird bereits 1148 erwähnt.

Jahrhunderte lang besuchten die Arfurter abwechselnd den Gottesdienst in der eigenen Ortskapelle oder in der Mutterkirche zu Villmar. Das Kloster hatte zu diesem Zweck einen Fährdienst über die Lahn eingerichtet, der bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts in Betrieb blieb.

So eng war die religiöse Verbindung Arfurts mit Villmar, daß ihr auch die Stürme der Reformation nichts anhaben konnten. Während zur Zeit der Glaubensspaltung sämtliche oben genannten Ortschaften mit Ausnahme Oberbrechens zur Lehre Luthers übertraten, blieb Arfurt dem katholischen Glauben treu. Man machte, einer alten Urkunde im Staatsarchiv Wiesbaden zufolge, nicht einmal den Versuch, Arfurt dem neuen Glauben zuzuführen: ein rühmliches Zeugnis für die religiöse Festigkeit unserer Vorfahren!

Die Curaten

Da der Kirchgang nach Villmar, besonders bei Hochwasser und Eistreiben sehr beschwerlich war, wurde der Wunsch der Arfurter nach einem eigenen Seelsorger immer dringender. Im Jahre 1715, am 6. Dezember, kam nach mancherlei Verhandlungen folgende Übereinkunft zwischen der Abtei und Gemeinde zustande:

  1. die Abtei stellt einen bestimmten Curatus (Seelsorger) für Arfurt, der die Sonn- und Feiertagsgottesdienste übernimmt. Seine Wohnung behält der Curatus in Villmar. Wenn er während der Woche den Gottesdienst versieht, und ebenso an Sonntagen, kommt er abends zuvor nach Arfurt. Bei Hochwasser und Eisgang soll er aber ganz in Arfurt wohnen.
  2. Die Gemeinde Arfurt entrichtet dafür 60 Gulden Rheinisch. Außerdem stellt sie dem Curatus Wohnung und Verköstigung.

Der Gottesdienst bestand laut erzbischöflicher Verordnung im Hochamt, in dem abwechselnd gepredigt oder Christenlehre gehalten und lateinischer Choral gesungen wurde. Nach dem Mittagessen war Andacht.

Die Villmarer Curaten haben in Arfurt gute Seelsorgsarbeit geleistet.

Einiges über Baulichkeiten in Arfurt

Interessant ist, was unsere Pfarrchronik über die bauliche Lage Arfurts vor einigen Jahrhunderten sagt. Da steht: "Arfurt war in früheren Zeiten ein kleiner Ort, dessen Bewohner nicht sonderlich wohlhabend waren. Durch eine Mauer, die durch die heutige Mittelgasse nach dem Gehege verlief, schienen sich ihre Vorfahren gleichsam eine Grenzlinie gesetzt zu haben. Erst nach dem Brand in den 1680er Jahren verließen die Arfurter die Berge und bauten ihre Häuser auf der Fläche an, auf der sogenannten Haide."

Reste dieser Mauer sind heute noch zu erkennen. Sie beginnen, von der oberen Sackgasse aus gesehen, hinter der Bäckerei Brühl, ziehen sich nach unten hinter dem Hause Faxel her, und wenden sich dann rechts hinauf bis nahe an das Ende der Mittelgasse. Unter dem "Gehege" ist ein großes Waldstück mit mächtigen Bäumen zu verstehen, das sich über das Gelände der heutigen "Burg" und weiter bergauf über die jetzige Feldgemarkung dehnte.

Die Arfurter Kapelle

Über die alte Kapelle auf dem Fels an der Lahn wissen wir aus den Urkunden nur wenig. Der gewöhnliche Zugang zu ihr war von der unteren Lahnstraße her durch eine breite Lücke in der großen Mauer. Die Kapelle war dem hl. Lambertus geweiht. Am 10.8.1652 konsekrierte der Generalvikar von Trier einen Altar zu Ehren des Heiligen und legte in den Altarstein Reliquien des hl. Lambertus, der Martyrer der Thebäischen Legion und der hl. Jungfrau Margaretha. (Welche von den 6 hl. Margarethen, ist nicht überliefert.)

Unmittelbar neben der Kapelle lag der Friedhof. Im Mittelalter zeigte man schon durch die Lage des Friedhofs bei der Kirche, daß die Verstorbenen zur Gemeinschaft der Gläubigen gehören. Nur Verbrecher begrub man außerhalb des Dorfes, da ihnen die Zugehörigkeit zur Dorfgemeinschaft aberkannt war. Bis zum Jahre 1855 diente der alte Friedhof als Begräbnisort. Er war inzwischen viel zu klein geworden, so daß ein neuer, der jetzige, angelegt werden mußte. Heute stehen auf der altehrwürdigen Stätte drunten auf der Felsterasse ein großes Marmorkreuz und 7 kleine Kreuze.

Die neue Kirche

Die Kapelle wurde infolge ihres hohen Alters immer baufälliger. Der Bau einer neuen Kirche war eine Notwendigkeit. Aber die erforderlichen Mittel fehlten. Der dreimalige Einfall der französischen Revolutionsarmeen vor 1800 und die Napoleonischen Kriege nach 1800 ließen in Arfurt keinen Wohlstand aufkommen. Von der Mutterpfarrei Villmar war wenig Hilfe zu erhoffen, da auch sie von einem schweren Schlag getroffen war. Durch die sogenannte Säkularisation, d.h. Einziehung der Kirchengüter zugunsten weltlicher Fürsten im Jahre1803, wurde das St. Matthiasstift in Villmar aufgehoben. Seine Liegenschaften, auch in der Arfurter Gemarkung, gingen zum großen Teil in den Besitz des Fürsten von Wied-Runkel über. Landesherr war der Herzog von Nassau-Weilburg. In Villmar verblieb als letzter Mönch und Pfarrer nur Pater Martinus Hewel. Durch einen Kaplan ließ er sich bis zu seinem Tod im Jahre 1832 die Seelsorge in Arfurt ausüben. Da die alte Kapelle einzustürzen drohte, ging man nun ernstlich an den Neubau einer Kirche auf der Höhe des Berges heran. Obwohl Arfurts wirtschaftliche Lage sich gebessert hatte, bereitete die Aufbringung des Baukapitals noch genug Schwierigkeiten. Pfr. Hewel, der sich um den Kirchbau sehr bemühte, erreichte durch eine Eingabe beim Herzog, daß dafür in den katholischen Gemeinden des Herzogtums eine Kollekte gehalten werden durfte.

Diese ergab 1542 Gulden .
Dazu kamen aus aufgekündigten Kapitalien 1497 Gulden .
Geliehen wurden 2300 Gulden .
Die Kollekte in Arfurt betrug 140 Gulden .
geschenkte Gültvergütung 519 Gulden ,
so daß insgesamt rund 6000 Gulden zusammenkamen.

Dem Unternehmer Damian Herr aus Camberg wurde die Ausführung des Neubaus übertragen. 1828 war dieser vollendet. Durch freie Fuhren, unentgeltliche Lieferung von Bauholz aus dem Gemeindewald und andere Leistungen hatten die Arfurter kräftig zur Fertigstellung der Kirche mitgeholfen. Von den Altären der Kapelle kam keiner in die neue Kirche, da man von Marienstatt einen wertvollen Barockaltar erhalten hatte, den jetzigen Hochaltar. Die Kapelle wurde 1833 niedergelegt. Wie sie ausgesehen hat, wissen wir nicht, da wir leider kein Bild von ihr besitzen. Das einzige Zierstück, das aus ihr in die neue Kirche mitgenommen wurde, war vermutlich die Statue des hl. Lambertus.

Pfarrer Hewel benedicierte mit oberhirtlicher Erlaubnis das Gotteshaus und übertrug die Reliquien aus der Kapelle auf den Hochaltar der Kirche, so daß dort nunmehr Gottesdienst gehalten werden konnte.

Am 20. September konsekrierte der erste Bischof der Diözese Limburg, Jakob Brand, das Gotteshaus. Man kann sich vorstellen, welche Freude über die Weihe der Kirche in der Gemeinde herrschte. Drei Jahre später wurde Arfurt selbständige Pfarrei. Am 17.09.1832, also am Fest des Kirchenpatrons, unterzeichnete die Bischöfliche Behörde die Stiftungsurkunde der Pfarrei Arfurt.

Die Arfurter Pfarrer

Erster Pfarrer war Herr Joseph Wittelsburger (1832 - 65). Da noch kein Pfarrhaus vorhanden war, mußte er vom 6.10.1832 bis 11.11.1835 in der oberen Schulstube wohnen. Ein anfangs beschlossener Pfarrhausbau kam nicht zustande, und so wurde das Haus des Jakob Brühl, Langgasse 141, für 1711 Gulden im Jahre 1835 gekauft.

Pfarrer Joseph Müller (1865 - 80) hatte unter den Wirren des Kulturkampfes zu leiden.

Pfarrer Peter Warzelhan (1880 - 1900) ließ die Bühne in der Kirche nach vorn vergrößern und zwei kurze Seitenbühnen beseitigen.

Pfarrer Johahnn Molzberger (1900 - 1902) regte die Anschaffung einer neuen Orgel und Turmuhr an, und sammelte die ersten Gelder dafür.

Pfarrverwalter Anton Zengerle (1902 - 1904) führte die Sammlung weiter und ließ die Uhr anbringen.

Unter Pfarrverwalter Peter Weis (1904 - 1908) wurde die neue Orgel von der Fa. Klais in Bonn geliefert, und die Kirche durch Gisbert Hartmann, Limburg, gemalt. Er schaffte auch ein neues Geläute mit drei Glocken an.

Pfarrer Bernhard Kettel (1908 - 41) ließ die Pflasterung vor der Kirche vornehmen, und den Mittelgang und den Chor der Kirche mir Mosaikplatten belegen. Die Kirchengemeinde kaufte das Saalsche Haus mit Hof und Garten neben der Kirche, um dort zu gelegener Zeit ein neues Pfarrhaus zu bauen.

Weitere Begebenheiten

Im ersten Weltkrieg wurden nahezu 100 Arfurter unter die Waffen gerufen; 29 davon fielen im Kampf, 6 blieben vermißt oder starben nach Kriegsende an den erlittenen Verwundungen.

Im Februar wurde Lehrer Max Leidl nach Arfurt versetzt (1916).

1917 mußten die beiden größten Glocken für Rüstungszwecke abgegeben werden.

Am 15.4.1920 wurde hier eine Niederlassung der Pallottinerinnen eröffnet unter dem Namen "Schwesternhaus St. Michael". Die Ordensfrauen Gabriele, Blandine und Marianne zogen als erste Schwestern in das Klösterchen ein. Das Haus mit entsprechendem Grundbesitz war von Frau Anna Maria Dormagen, geb. Flach, der Kirchengemeinde testamentarisch vermacht worden.

Als Ersatz für die im Krieg abgegebenen Glocken schaffte die Zivilgemeinde 3 neue Glocken an.

Am 6.8.1922 feierte Herr Pater Dominicus Sauerland aus der Kongregation der Missionare von Marianhill in Arfurt sein Primiz.

Am 31.10.1926 wurde das Ehrenmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen und vermißten Soldaten eingeweiht. Die Anregung für seine Errichtung ging vom Volksbildungsverein Alt-Nassau aus, der auch alle hierfür erforderlichen Maßnahmen leitete. Einheimische wie auswärtige Arfurter spendeten in erfreulicher Einmütigkeit den Betrag von 3236 RM für das Mal. Geschaffen wurde es von Lothar Dietz, München, aus Muschelkalk der Steinbrüche bei Treuchtlingen. Seine ansprechende Form sticht wohltuend ab von den früher sonst vielfach üblichen Gestaltungen von Kriegerdenkmälern. Die Namen der Kriegsopfer wurden in den Stein eingraviert. Wer hätte damals gedacht, daß schon 13 Jahre später ein noch schrecklicherer Krieg 57 Menschenleben aus der Gemeinde forderte, darunter 14 Angehörige von Heimatvertriebenen?

1929 wurde Herr Lehrer Anton Schneider von Wisper nach Arfurt versetzt. Als eifriger Sportler rief er die DJK ins Leben und leitete sie, bis sie vom Nazi-Regime verboten wurde.

1930 begann man mit dem Bau des Kindergartens, der 1931 vollendet war.

Am 12.09.1941 starb Herr Pfarrer Kettel. 33 Jahre war er der Gemeinde ein frommer und eifriger Seelsorger gewesen.

Nachfolger wurde der derzeitige Pfarrer. Kurz nach der Übernahme seines Amtes griff er den schon vorliegenden Plan auf, eine Heizungsanlage für die Kirche unter linken Sakristei zu bauen. Die Absicht, damit eine Erweiterung dieses engen Raumes zu verbinden, stand der Kreisbaumeister ablehnend gegenüber. Dieser legte einen neuen Plan vor, der den Bau einer großen Sakristei mit Heizung an der Rückwand der Kirche vorsah.

Im Januar 1942 mußte die Gemeinde zum zweiten Mal ihre Glocken , und zwar die 3 schwersten, für Kriegszwecke hergeben.

Im Sommer 1942 fingen wir mit dem Bau der neuen Sakristei und des Heizkellers an. Unter nicht geringen Schwierigkeiten gelang es, beide bis Ende 1946 fertigzustellen.

Als der Krieg auch in der Heimat durch die Bombenangriffe immer schärfere Formen annahm, fiel am 29.9.1944 eine Brandbombe auf das ehemalige Haus von V. Hafeneger, Kunzeberg. Das Dach brannte ab, weiterer Schaden konnte verhütet werden. Rings um Arfurt krachten oft die Bomben, gottlob traf keine mehr das Dorf. Im Januar 1945 schlug nachts eine schwere Fliegerbombe unten am jenseitigen Ufer der Lahn ein; 1 Sekunde früher ausgeklinkt, hätte sie unabsehbares Unheil unter uns angerichtet. Im Wald droben, auf der Höhe nach Wirbelau zu, sollte eine Abschußrampe für V1 gebaut werden. Glücklicherweise kamen die Landsturmmänner nicht über die Anfangsarbeiten hinaus, sonst wäre die ganze Umgegend von den feindlichen Fliegern unter ständiges Feuer genommen worden. Noch in den letzten Tagen hätte Arfurt ein Trümmerhaufen werden können, denn ein fanatischer Leutnant wollte das Dorf mit nur 50 Soldaten gegen die vorstoßenden Amerikaner "verteidigen". Er befahl, die Straße nach Runkel an der Umkehr vor dem Tiefenbach durch gefällte Bäume gegen die anrollenden amerikanischen Panzer zu sperren. Herr Bürgermeister Peter Müller wehrte sich gegen das sinnlose Vorhaben und wandte die Gefahr vom Dorf ab, indem er dem Leutnant für seine Kraftwagen das Benzin der Feuerwehr gab, damit er sich mit seinen Leuten noch rechtzeitig vom Feind absetzen konnte.

Im April 1945 feierten wir das Silberjubiläum unserer Schwestern-Station. Wieviel Gutes hatten die Schwestern im Laufe dieser 25 Jahre in der Krankenpflege, im Kindergarten, im Nähzimmer, und in der Jugendbetreuung gewirkt. Und bis heute stehen sie im Einsatz für die Gemeinde, wo man ihrer bedarf. Die Einwohnerschaft weiß sich ihnen dafür in herzlicher Dankbarkeit verbunden.

Im Frühjahr 1946 kamen aus der CSR vertriebene Deutsche nach Arfurt, 196 an der Zahl.

Der Bildstock im Walde

Anfangs 1947 brach im "Oberen Hain" die "Bildchens-Eiche" zusammen, ein jahrhundertealter Eichbaum von etlichen Metern Umfang. Zu ihm waren die Arfurter früher oft hinaufgegangen, da er in einer Vertiefung seines Stammes eine kleine Marienstatue trug. Zuletzt stand nur noch der mächtige hohle Baumstumpf. In den Nöten des Bombenkrieges, während der Pfarrer sich in einem Krankenhaus zu Gießen befand, weihte die Schönstatt-Jugend im Stillen die Gemeinde Arfurt der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt mit der Bitte, das Dorf durch ihre Fürsprache vor Unheil zu bewahren, und brachte am Eichenstamm ein Bild der MTA an. Als dieser zweieinhalb Jahre später umstürzte, fand man das Bild unter dem Stamm, unverletzt. Daraufhin errichtete die Schönstatt-Gruppe in der Nähe einen Bildstock mit dem erhaltenen Bild. Er wurde am Fest Mariä Himmelfahrt unter großer Teilnahme der Bevölkerung feierlich geweiht, und der Pfarrer stellte aufs neue die Gemeinde unter den Schutz der Gottesmutter. Alljährlich soll, falls es die Witterung gestattet, an dem genannten Festtag eine Prozession dorthin gehalten werden zum Dank dafür, daß Arfurt im Krieg vor großem Schaden bewahrt blieb.

Auch die Kapelle auf der Steinkaute ist der Gottesmutter geweiht. 1716 auf dem heutigen Platz erbaut, wurde sie 1852 auf ihren jetzigen Standort verlegt.

1948 feierte Arfurt das Silberne Priesterjubiläum des Pfarrers. Es war ein Tag der Freude für Gemeinde und Pfarrer.

Das Jahr 1951 sah die Erfüllung des nach dem Krieg so oft geäußerten Wunsches nach Anschaffung der 3 fehlenden Glocken. Die Gemeindevertretung unter Herrn Bürgermeister Willi Behr führte zur Deckung der Unkosten eine Sammlung durch und gab aus der Gemeindekasse einen Zuschuß, so daß die Glocken aus Edelstahl von der Fa. Bochumer Verein für DM 5000 geliefert werden konnten. Herr Alois Hastrich holte sie mit seinem Lastwagen aus der Gießerei, und am 15. Juli wurden sie nach der Weihe ihrer Bestimmung, zu rufen, zu jubeln, zu trauern, übergeben.

In das Jahr 1952 fällt die Neugründung des Kirchenchores, der vor dem Krieg seine Tätigkeit einstellen mußte. Die Leitung übernahm Herr Hauptlehrer Leidl, bis er sich 1957 gezwungen sah, den Dirigentenstab in die Hand des Herrn Heinz-Toni Schneider zu legen, der auf dem gesanglichen Fundament weiterbauend den Chor auf höhere Stufen der sakralen Musik führte.

Nach dem Krieg erfuhr auch die Arfurter Musikertradition eine Neubelebung durch die Herren Christian Hastrich und Willi Brahm, die sich mit den Mitgliedern der ehemaligen Kapelle Hastrich zusammenschlossen, um die Lieder bei der Fronleichnamsprozession zu begleiten. Nach dem Tod der beiden genannten Herren übernahm Herr Hans Berger die Leitung der Musiker, die, inzwischen durch jungen Nachwuchs verstärkt, eine leistungsfähige Bläserschar zu werden versprechen.

Das Beselicher Gnadenbild in Arfurt

Das Marianische Jahr 1952 brachte uns ein besonderes Erlebnis. Das Gnadenbild von Beselich wurde durch die Gemeinden des Dekanats getragen, um jeweils einen Tag in der Pfarrkirche verehrt zu werden. Eine Gemeinde sollte es der anderen in feierlicher Prozession am Ortseingang überreichen.

Wie gern und oft waren die Arfurter seit langem den nicht unbeschwerlichen Weg nach Beselich gepilgert. Um so mehr freuten sie sich, das Gnadenbild bei sich zu sehen. Wir erhielten es von Villmar und und hatten uns auf sein Eintreffen vorbereitet. Als die Villmarer Prozession über den Berg kam, staunte sie über das Bild, das sich dem Auge bot: auf den Arfurter Bergterrassen, in den Fenstern der Häuser, auf der alten Mauer glühten Lampions in der Abenddämmerung. Wir standen in langgezogener Reihe an der Lahn mit brennenden Kerzen, deren Lichter sich in den Fluten widerspiegelten. Für die Überfahrt hatten wir einen mit Blumen geschmückten, weiß ausgeschlagenen Kahn an das andere Ufer geschickt; und als dieser sich mit der Statue unter Begleitung von Herrn Pfarrer Homm - Villmar - in Bewegung setzte, sangen beide Prozessionen das Bornhofer Wallfahrtslied "Geleite durch die Welle". Es war ein Augenblick, der alle bewegte. Das Lied hat sich seitdem in die Herzen gesungen und wird deshalb an hohen Marienfesten stets angestimmt.

Hauptlehrer Max Leidl

Im September 1955 schied Herr Hauptlehrer Max Leidl aus dem Schuldienst. Nahezu 40 Jahre hatte er in Arfurt seines Amtes als Lehrer und Organist in vorbildlicher Weise gewaltet. Deshalb gehöhrte ihm auch die Sympathie der ganzen Gemeinde. Dies zeigte sich besonders bei der öffentlichen Ehrung, die ihm die Einwohnerschaft anläßlich seiner Pensionierung bereitete.

Nur kurze Zeit allerdings war es ihm vergönnt, sich des Ruhestandes zu erfreuen. Schon nach 2 Jahren setzte bei ihm ein Fußleiden ein, das im März 1963 zu seinem Tod führte.

Bewundernswert war seine geistige Haltung während der letzten Wochen seiner Krankheit. Er sah allmählich sein Lebensende auf sich zukommen. Und wie er früher in den Jahren seiner schier unverwüstlichen Arbeitskraft keine Halbheit liebte, ging er auch jetzt der Bewältigung dieses letzten und schwersten Daseinsproblems nicht aus dem Weg. Wenn der Pfarrer ihn besuchte, konnte er mit ihm offen über alles sprechen, was zu einem guten christlichen Sterben gehört. Begreiflicherweise mag es auch ihm nicht leicht geworden sein, sich zum letzten durchzuringen, aber er sagte schließlich in abgeklärter Ruhe sein Ja zum Ruf Gottes in die Ewigkeit. Deshalb konnte der Pfarrer ihm am Grab auch nachrühmen, daß sein Leben wie aus einem Guß war: Ein Leben aus dem katholischen Glauben, in dem es keinen Spalt gab zwischen seinem Wort in der Schule und seiner Lebensführung außerhalb der Schule. Immer stand Max Leidl mit seiner Persönlichkeit hinter dem, was er sagte und tat - beispielhaft im Leben und Sterben.

Renovierung der Pfarrkirche

Im Jahre 1956 erhielt die Pfarrkirche durch Herrn Willi Werner einen weißen Außenputz, wodurch sie schon von weitem den Blick auf sich zieht. 1960 wurde sie durch Herrmann Rauch, Limburg, im Inneren renoviert. Anstelle der z.T. unkenntlich gewordenen Malereien trat eine helle Tönung. Die beiden neugotischen Seitenaltäre aus den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, keine Künstlerarbeit, wurden entfernt, der Hochaltar neu versilbert und vergoldet. Die alten Barockstatuen, die über ein Jahrhundert lang auf dem Kirchenspeicher standen, wurden ebenfalls aufgearbeitet und schmücken nun Chor und Wände der Kirche. Ein neues Gestühl aus brasilianischer Kiefer und der mit Bongard-Marmor neu umkleidete Altartisch vollenden den wohltuenden Eindruck, den das Gotteshaus auf den Besucher macht.

1963 feierte die Gemeinde das vierzigjährige Priesterjubiläum des Pfarrers, wobei der Kirchenchor die Rheinbergmesse in A-Dur sang. 1964 erlebte Arfurt die zweite Primiz des Jahrhunderts. Herr Pallottinerpater Johannes Dickopf zelebrierte am 26. Juli sein erstes hl. Meßopfer. Der Kirchenchort verschönte die Feier durch den Vortrag der Mozartmesse in G-Dur und des Chores "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" von Haydn. Die Bläserschar spielte bei der Abholung des Herrn Primizianten "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" von Beethoven.

An dieser Stelle seien die Namen der im letzten Jahrhundert aus Arfurt hervorgegangenen Priester angefügt:

Pfarrer Jakob Grimm

Pfarrer Jakob Rosbach

Kaplan Heinrich Bausch

Pfarrer Adam Brühl

 

An Ordensschwestern stammen aus Arfurt:

Schwester Caribona (Maria Rosbach)

Schwester Vedasta (Maria Löw)

Schwester Antonella (Matharina Dormagen)

Schwester Ancilla (Franziska Löw)

Schwester Venantia (Ottilie Löw)

Schwester Jakobita (Elisabeth Zell)

Rektor Anton Schneider

Im März 1964 wurde Herr Hauptlehrer Anton Schneider in Würdigung seiner Verdienste um die Schule Arfurts und die Ausbildung zahlreicher Junglehrer zum Rektor ernannt. Ein Jahr später erreichte er die Altersgrenze, mit der seine Pensionierung verbunden war. Aus diesem Anlaß bezeigte ihm Arfurt seine Verehrung und Dankbarkeit durch eine öffentliche Kundgebung, und auf vielfältige Weise auch in privater Form. Mit Recht wurde dabei herhorgehoben, daß Herr Rektor Schneider stets hilfsbereit war, wenn sich jemand an ihn wandte. Und wie oft war das der Fall, besonders in den Jahren nach dem Krieg mit ihren besonderen Schwierigkeiten.

Wie seinem ehemaligen Freund und Kollegen Max Leidl konnte auch ihm der Pfarrer dankbar bestätigen, daß er den gesamten Schulunterricht vom Standpunkt des überzeigten katholischen Glaubens heraus immer die vordringlichste pädagogische Aufgabe gewesen sei.

Daß er auf Bitte des Pfarrers auch weiterhin seine Kraft in den Dienst der Kirche stellen will, sichert ihm unsere Dankbarkeit in vermehrtem Maß Mögen ihm noch viele Jahre gesegneter Tätigkeit beschieden sein!

Joseph Schmidt