Runkeler Chronik

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Auf halbem Wege von Koblenz bis Gießen, in dem mit Schlössern und Burgen reich gesegneten Seitental des Rheins, dem schönen Lahntal, welches die natürliche Grenze zwischen Taunus und Westerwald bildet, liegt das Städtchen Runkel mit seiner eindrucksvollen Burg. Ein musterhaftes Beispiel frühmittelalterlichen Verteidigungsbaues.

Urkundlich wird Runkel, seit der Gebietsreform Kerngemeinde der Stadt gleichen Namens, erstmalig 1159 im Zusammenhang mit einem Siegfried von Runkel genannt, der als Bürge und Zeuge für die Gräfin Beatrix von Laurenburg bei ihrer Belehnung mit der Burg Nassau durch Erzbischof Hillin von Trier vorkommt. Er dürfte Sachverwalter des Reiches für die Erbauung der Burg Runkel in Frage kommen. Höchtswahrscheinlich haben wir in der Burg eine Gründung des Hohenstaufernkaisers Friedrich Barbarossa zu sehen.

Um 1250 beginnen Familienstreitigkeiten, die mit der Vertreibung Heinrich von Runkel durch Siegfried enden. Als Folge hiervon erbaut Heinrich auf der Runkel gegenüberliegenden Seite zum Trutz Burg Schadeck, die 1288 zum erstenmal erwähnt wird.

Wildbewegt und fedenreich ist die Geschichte Runkels und seiner Burg, wie der nachstehende kurze Abriß erkennen läßt:

Im Jahre 1288 kommt es zur entgültigen Teilung und Trennung zwischen Runkel und Westerburg, 1315 wird ein Dietrich von Runkel genannt. Dietrich, der Dritte dieses Namens, bringt 1376 die Zehnten Schupbach und Aumenau in seinen Besitz und läßt auch die Schloßbauten neben der Burg entstehen. 1440 wird mit dem Bau der Lahnbrücke begonnen, die aber durch Stretigkeiten mit dem Grafen Reinhard von Westerburg erst 1448 fertiggebaut wurde. 1543 weilt Luthers Freund und Helfer Melanchthon als Gast des Grafen Johann IV. von Wied auf Schloß Runkel. 1568 wird die Reformation in Runkel eingeführt. In einem Familienstreit wird am 9. September 1622 der Landesherr Graf Hermann II von seinem jüngeren Bruder Philipp Ludwig, der sich bei der Erbteilung benachteiligt glaubt, aus Schloß und Herrschaft Runkel vertrieben. Runkels schwärzester Tag im 30jährigen Krieg war der 15. Oktober 1634. Die Kroaten des Grafen Isolanie erstiegen die Mauern des Städtleins und legen den Ort samt dem uralten schönen Schloß in Asche. 1719 sieht Runkel hannoversche Truppen in seinen Mauern. 1758 Sachsen, 1759 Franzosen. Ab 1794 ist die Wirkung der Revolutionskriege zu spüren.

1796 werfen darmstädtische Truppen in einem nächtlichen Straßenkampf die Franzosen aus der Stadt hinaus. 1806 fällt der rechtslahnige Teil der Herrschaft Runkel und damit der entsprechende Teil der Stadt an das von Napoleon neugeschaffene Großherzogtum Berg. 1824 beschließt Friedrich Ludwig, der Letzte des wied- und runkelischen Hauses, dem 1791 die Fürstenwürde zugefallen ist, sein Leben. Wied-Runkel fällt an die Linie Wied-Neuwied. Die Burg Runkel befindet sich auch heute noch im Besitz der Familie zu Wied.

Die neue Stadt Runkel wird nach dem freiwilligen Zusammenschluß (sog. Gebietsreform) mit den Gemeinden Steeden, Ennerich, Schadeck (1.12.1970), Arfurt, Eschenau, Hofen, Wirbelau (31.12.1970) und der gesetzlichen Regelung mit der Gemeinde Dehrn (1.7.1974) gebildet.