Eine Siedlungsgeschichte aus dem Runkeler Wald

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Im Folgenden handelt es sich um die leicht modifizierte Abschrift von [ 360 - 20 Chronik o. Jg. Kleine Chronik Arfurt K 170.22 ] aus dem Stadtrarchiv Runkel. Man wundere sich nicht über die Sprache, da oft ganze Urkundenpassagen 1:1 übernommen wurden. Da die Übergänge von den Zitaten zum übrigen Text nicht immer eindeutig zu erkennen waren, habe ich darauf verzichtet, sie eigenmächtig durch ". . ." hervorzuheben.

Eine Siedlungsgeschichte aus dem Runkeler Wald

Die Höfe Zultebach und Götzenboden - Streitobjekte der Vogtei Villmar gegen das Kloster Beselich

von Adolf H e i l h e c k e r, Runkel.

Zultebach & Götzenboden

Im Jahre 1053 nach Christi, wird in einer Urkunde bei "Vogel, Topographie des Herzogtums Nassau" eine Siedlung mit Namen Zultebach genannt. Vogel entnimmt seine Angaben aus der Verleihungsurkunde Kaiser Heinrich III. bezüglich des Königshofs zu Villmar an das Kloster St. Mathias in Trier.

In der späteren Fälschung der Urkunde (siehe Karl Hermann May, Beschreibung des Oberlahnkreises), taucht der Name Zultebach als Bezeichnung für einen Hof auf, den das Kloster St. Mathias u.a. als zum Klosterbezirk Villmar gehörig in Anspruch nimmt.

Im Jahre 1154 bestätigt Erzbischof Hillin von Trier die interpolierte Fassung der Kaiserlichen Schenkungsurkunde.

Die Hofsiedlung Zultebach kommt in späteren Urkunden mit den Bezeichnungen "Tzultebach", "Zultzbach" und "Sultzbach" vor. Der Hof mit seiner Heimgereide ist heute eine Wüstung in den Waldbeständen der Gemarkung Runkel und der Gemeinde Arfurt.

Die Lage des Hofes Zultebach, die heute kaum noch festzustellen ist, kann nur unterhalb der Tiefenbach, wo die Zultebach dem Tiefenbach zufließt, gewesen sein und zwar unterhalb von Spansfurt, wo der heutige Vizenalweg von Eschenau nach Arfurt das Wiesental und den Bach Tiefenbach überquert. Die Siedlung des Hofes Zultebach scheint aus der mittelfränkischen Zeit zu stammen. Fränkische Siedlungen lagen meistens am Zusammenfluß zweier Bäche, in der Nähe einer frischen Quelle, wie es an dieser Stelle der Fall ist.

Den Namen "Zulte" könnte man von einer in der Nähe der Siedlung vorkommenden Quelle, die in eine Wasserlache floß und mit einem sumpfigen Rand umgeben war, herleiten. In wessen Auftrag die Rodung Zultebach erfolgt ist, läßt sich urkundlich nicht nachweisen. Es liegt aber nahe, daß die Vögte des Königshofs zu Villmar vor der Schenkung Heinrich III. an das Kloster St. Mathias im Jahre 1053 die Grafen von Leiningen dafür in Anspruch werden könnten, denn der Hof kam später von den Leinigern an die Isenburger in Limburg.

Dies ergibt sich aus der glaubhaften Geschichtsschreibung vom Jahre 1221 von H. Gensicke "Die Landschaft des Westerwaldes", die besagt, daß Heinrich von Isenburg zu Limburg seinen Anteil an der Schaumburg, der Vogtei Villmar und der Herrschaft Limburg, die vorher Graf Friedrich Emich von Leiningen besessen hatte, lediglich seiner Verwandtschaft mit den Grafen von Leiningen verdankt.

Aus einer Urkunde vom Jahre 1344 erfahren wir, daß ein Gerlach von Limburg, wahrscheinlich ein Nachkomme von Heinrich von Isenburg zu Limburg, seine Frau Kunigunde und sein Sohn Gerlach dem Erzbischof Balduwin von Trier 100 Malter Korngülte u.a. aus Zultebach verkaufen.

Nach einer Urkunde hat der Hof Zultebach damals schon eine ansehnliche Abgabe aus dem Ertrag seiner Felder zu leisten gehabt, die größere Ackerflächen voraussetzen. Im Jahre 1400 bezieht das Kloster Beselich Zinsen vom Hof Zultebach. Im Jahre 1422 belehnt nach einer Urkunde das Deutschordenhaus zu Koblenz den Henne Kellner und seine Frau Katharina aus Niedertiefenbach mit dem Hof Zultebach bei Villmar in der Herrschaft Isenburg. (Henne Kellner war Kellner zu Kloster Beselich).

Der Hof zu Zultebach scheint im Anfang des 15. Jahrhunderts in das Eigentum des Deutschen-Ritterordens, Komturei oder Ballei zu Koblenz gekommen sein. Welcher Ritter aus dem Adelsstand durch seinen Beitritt in den Deutschen-Ritterorden den Hof Zultebach dem genannten Orden zu Koblenz eingebracht hat, läßt sich urkundlich nicht belegen. Es kann angenommen werden, daß er aus dem Geschlecht derer von Isenburg zu Limburg stammt, weil als Lehnsherr ein Heinrich von Isenburg zu Limburg mit seinem Sohn Gerlach vor dem Deutschen-Ritterorden der Besitzer des Hofes zu Zultebach gewesen war.

Im Jahre 1450 gibt nach dem Güterverzeichnis des Klosters Beselich der Zultebacher Hof "6 pen (Pfennig) und ein Huhn von der Niedermark bei Gezynboden. Aus Arfurth von Chaissghin Kauffmann von eynem Garthen (wahrscheinlich Weingarten) jairs (jährlich) 2 Albus".

Im Jahre 1465 kommt im Zinsbuch des Klosters Dirstein bei Diez der Name Zultebach bei den Einkünften vor.

Anno 1585 erfolgt die Ablösung der Gülten mit 2 Albus zu Arffurth und Zultebach zwischen Ittgen und Wiedt (Wied) und Demüt Priorin samt dem Konvent des Klosters Beselich von Helbich Smiedt mit 3 Fl. (florentiner Gulden).

Ida von Wied gen Ittgen, natürliche Tochter eines Grafen von Wied - Runkel, Verwandte des Grafen Wilhelm zu Wied - Runkel, Nonne von 1538 bis 1549 zu Kloster Beselich, dann daselbst Aebtissin von 1578 - 1600. (Vergl. Seite 32, Hoftausch 1578).

Die Heimgereide des Hofes Zultebach

Seine Heimgereide war nach Westen und Nordwesten von den Heimgereiden der Orte Runkel, Hofen und Eschenau in fast gerader Linie der Runkel-Weilburger-Straße begrenzt. Nach Norden lag die Grenze über dem Langenwasen bis an den Hof Neuenscheid und in den Wirbelauerorth - Eck genannt. Nach Osten, östlich der Gemeinenstraße an den Wald des Hofes Götzenboden, nach Süden an die Gemarkung Arfurt bis Spansfurth, Boppenrain und Kälberdell und schließlich nach Südwesten an das Schadecker - Herrnholz sowie den Runkeler-Walddistrikt "Junge Eichen". Alles Land innerhalb dieser Grenzen bildete die Heimgereide von Hof Zultebach. Ausgenommen die Niedermark, die jenseits von Götzenboden in den Marken an den Seelbacherhecken lag.

Nach der Auflösung bzw. Einverleibung des Hofes Zultebach zum Hof Götzenboden begannen die Streitigkeiten mit den anliegenden Gemeinden, hauptsächlich mit Arfurt, gestärkt durch die Ansprüche der Isenburger Vögte von Villmar, aufs Neue. Am 25. Juli 1417 heißt es in der Urkunde über den Anspruch des Vogtes vom Kloster St. Mathias, Herrn von Isenburg, bezüglich des Hofes Zultebach: Heinrich Troest der Alte, Heinrich Plener der Alte, Wilderich Plener, Henne Korne, Hermann von Heringen, Hermann und Werner, Gebrüder von Zoltbach (wahrscheinlich Einwohner von Hof Zultebach) und Engelbrecht von Druifuis (vielleicht von Traisfurth) bekunden, daß ihnen bekannt ist, daß der Hof Gyjinboden in den Hof von Zultebach mit allem Zubehör: Holz, (Wald), Feld, Wasser, Weide, Dienst, Schützen (Wald- und Feldhüter) Glöckern, Fährleuten, (Förker) Hirten, Einungen und aller Gemeinschaft gehört und der Hof Zultebach selbst in den Hof zu Viller gehört. Niemand hat das Recht dazu, außer dem Abt zu St. Mathias und dem Herrn von Isenburg, der Villmar innehat. Vogt darüber ist und damit erheblich zu Mannlehen, belehnt ist.

Ein Teil von Ihnen kann sich 90 Jahre und mehr erinnern, und es ist ihnen auch von ihren Eltern überkommen, die mehr als hundert Jahre alt waren. Sie nehmen dies auf die ihrem Herrn geleisteten Eide.

Siegel, der Ehrenknechte: Henne Rode und Godert von Weilburg - D. 1417 inso sancti Ioobi apostoli.

 

Am 31. März 1421 sagt eine Urkunde folgendes: Hermann Dekann des Stiftes und Nikolaus Nuvenburg, Vikar daselbst, transumieren eine Urkunde auf Papier die Philipp, Herr zu Isenburg und Grenzau, derzeitiger Vogt des Klosters St. Mathais zu Villmar über den Hof Getzenboden vorgeledt und wohlbesiegelt.

Geschehen 1421 uff den letzten Tag des Mertzen. Der vorgenante Nikolaus Nuvenburg aus pommerellischem Bistum, Vikar zu Weilburg. Trierische Doözöse öffentlicher Schreiber aus Kaiserlicher Gewalt bezeugt die Niederschrift auf Geheiß des vorgenannten Philipp Herrn zu Isenburg und Grenzau, mittels Unterschrift und Signets.

Philipp zu Isenburg, Grenzau, als Vogt des Klosters St. Mathias zu Villmar, scheute keine Mittel, um den Hof Götzenboden, (der dem Kloster Beselich von der Gemahlin des 1247 verstorbenen Heinrich des Reichen von Nassau, Mechthild von Geldern, die etoia 1260 in das Kloster Beselich eintrat und zu ihrem Seelenheil dem Kloster, wie aus dem Totenbuch hervorgeht, den Hof Götzenboden zum Geschenk machte), in seinen Besitz zu bringen.

Solange der Hof Götzenboden im Nassauischen Besitz war, stritt er sich mit dem Kloster Beselich um den Besitz des Hofes Zultebach.

Im Jahre 1360 hatte er auf einem Felsen über der Lahn gegenüber Villmar, in der Schadeck - Runkeler gemeinsamen Heimgereide eine Burg bauen lassen, die er Gretenstein, nach dem Vornamen seiner Frau Grete (von Katzenelnbogen) nannte, unter dem Vorwand ihr ein Widum zu errichten. In Wirklichkeit versuchte er durch den Burgbau am Ausgang des Tiefenbachtals fußzufassen, um den Hof Götzenboden und damit auch den Hof Zultebach, der in unmittelbarer Nähe von Letzterem lag, seinem Widumbesitz auf dem Gretenstein einzuverleiben und ihn diesem Besitz dienstbar zu machen. Aber seine Rechnung hatte er ohne den Wirt gemacht. Die Burg Gretenstein bestand ungefähr ein Jahr, als am Tage seiner Einweihung in aller Frühe ein großes Aufgebot aus runkelischen und Limburger Männern erschien, diese Burg stürmte und dem Erdboden gleich machten. Philipp von Isenburg - Grenzau wurde gefangen genommen und eingekerkert. Vor seiner Loskaufung mußte er Urfehde schwören, daß er niemals mehr sich unterstehen würde an dieser Stelle eine Burg zu erbauen.

Als er nun gemerkt hatte, daß seine Rechnung hinsichtlich Zultebach und Goetzenboden nicht aufging, versuchte er auf andere Weise, nämlich mit gedungenen Arfurter Untertanen unter Zuhilfenahme der Edelknechte Henne Rode und Godert von Weilburg, die Einverleibung der Höfe Zultebach und Götzenboden zu erzwingen, welches ihm nicht gelang. Die manipulierten Urkunden von 1417 und 1421 reichten nicht aus, um seine Ansprüche rechtlich zu begründen.

Der Hof Götzenboden, der im Ende des 11ten Jahrhunderts von der Herrschaft Nassau in der Nähe der Straßenkreuzungen Weilburg - Runkel und Weilburg - Villmar errichtet wurde, um die Straße nach Villmar hinsichtlich des Verkehrs nach dem Kloster St. Mathias zu überwachen, stand im zwölften Jahrhundert im Eigentum des Grafen Heinrich dem Reichen von Nassau, der 1247 verstarb. Er hatte den Hof Götzenboden seiner Frau Mechthilde geb. Gräfin von Geldern u.a. als Widum bestellt. Um etwa 1260 schenkte die Gräfin Mechthilde dem Kloster Beselich diesen Hof und trat in das Kloster ein, wo sie ihren dauernden Wohnsitz nahm.

Der Konvent des Klosters Beselich, als nunmehriger Eigentümer des Hofes Götzenboden, verpachtete den Hof an einen Hofmann gegen eine jährliche Gülte (Abgabe von Feldfrüchten) als Pacht.

Anno 1428 verleihen Nese, Meisterin, Priorin die Nonnen und der Konvent des Klosters Beselich ihren Hof Geczenboiden an Hennichin, ihren Hofmann daselbst, des verstorbenen Cunzichin Benders Sohn von Arfurt, dessen Ehefrau Gute und deren Kinder und Erben mit dem gleichen Gelände wie ihn der vorgenannte Cunzichin besessen hatte, gegen eine Pacht von 11 Malter guten trockenen Korns (Limburger Maß), die diese ihnen jährlich zur Ernte eine Meile wegs um jenen Hof, wohin die Aussteller wünschen, auf eigene Kosten und Gefahr errichten sollen. Die Geltung dieser Verleihung ist auf 30 Jahre beschränkt.

Die Aussteller sollen den Pächtern nicht hinderlich, sondern förderlich sein. Wenn an Holz (Wald) Heide oder wüstem Gelände mehr zu dem Hof gehört, als bisher verliehen ist, so sollen die Pächter es auch die 30 Jahre über haben. Die Pächter sollen dem Kloster treu und hold sein.

Siegel des Konvents des Klosters Beselich. Gegeben 1428 Dezember 27.

Urkunde Nr. 405, Band 3

 

Quellen zur Geschichte der Klöster und Stifte im Gebiet der mittleren Lahn bis zum Ausgang des Mittelalters 22. November 1481

"Heute, am Donnerstag, sant Cecilien dagh 1481 erfolgte wegen Kunigunde von Rodheim, Meisterin (Frauwe) zu Beselich, und des Konvents daselbst, nachdem die Amtsleute der Grafschaft Diez ihrer Herrn wegen von Dietrich, Herrn zu Runkel, die Erlaubnis erlangten, den Bezirk (hier heimgereide) des Klosterhofs zu Götzenboden (Getzinbodin) bestimmen zu lassen (zu begeen und zu beleiden), ein solcher Grenzgangmit den Alten und Jungen zu Seelbach, die, wie rechtüblig durch Gilbrecht von Allendorf, Schultheis zu Seelbach und in der Schupbacher-Zent vereidet wurden. Es sind dies: Snyders Wigand, Bruse Henne, Heinze von Neuental (Nuvendale) Snyders Adam, Hiltwin Morre, Kraft Limburger, Mammer Henne, Dulne Wigel, dessen Bruder Hermann und die ganze Gemeinde zu Seelbach mit dem Umständern zu Runkel, nämlich Sibert von Neuental, Henrich Walth, Henne Dorne, Hermann Jedermann, Schupp Henne, Henne Quele von Schadeck, Henne Kelner von Niedertiefenbach, Gerlach Hubach, Lutzo von Elkerhausen, Friedrich Ulner von Schupbach und vielen anderen. Junker Dietrich, Herr zu Runkel mit seinen Dienern Christian Kellner zu Runkel, Jakob Bruwer Schreiber, Johann Wale, reisigem Knecht, ferner: Friedrich von Mendersbach, Ritter, Junker, Johann Frei von Dehrn, Amtmann zu Diez des Grafen von Nassau und des Herrn von Thierstein (Dyr.) früheres Kloster bei Diez, Friedrich Rode, Antonius Schütz von Holzhausen, Johann von Walderdorf, Herr Friedrich von Schupbach, Pastor daselbst, Peter von Linz, Rentmeister zu Beilstein. Zuerst sprachen Alt und Jung mit den Umständern den Hof zu: Die Hecke über dem Hof zu Seelbach, woran die von Arfurt mit Unrecht Anspruch erheben. Ferner wissen sie des Hofs Freiheit und Eigentum bis an das Nuvenscheidt im Zultpecher Holz und bis an den langen Wasen wider die von Eschenau und die Halde und den Bach innen, bis an den Poppenrain. Als sie dorthin kamen, gingen die von Arfurt ab. Da riefen die Amtleute von Diez den Herrn von Runkel an, dass er die Aeltesten bescheiden möge zu sagen, wie der Grenzgang weiter verläuft. Da wiesen diese den Poppenrain ganz aus bis an der Herren Holz und wider den Kaelberdell, fortan heraus bis an Inlczpecher - Feld und die Scheidung hin bis wieder die von Seelbach und die von Falkenbach und dann weiter wieder des Fürfurter Feld. Dies haben sie dem Hof zugewiesen, wie es die Alten und ihre Vorfahren auf sie gebracht und ihnen gewiesen haben."

Anno 1497 September 28. Urkunde Nr. 426, Seite 201, Band 3, Geschichte der Klöster und Stifte im Gebiet der mittleren Lahn

Friedrich Rödel von Reifenberg und Friedrich Freie von Dehrn bekunden, daß lange Zeit zwischen der Aebtissin und dem Konvent des Klosters Beselich, Klägern, und den Einwohnern des Dorfes Arfurt, Beklagten, Streit bestand wegen eines Grenzbegangs des Bezirks (einer heymgereide) des Klosterhofs Götzenboden und daß dem Kloster durch einen Spruch des Hermann von Hohenweisel und Theoderich Geisseler als von den Parteien erwählter Schiedsmänner auferlegt und durch Friedrich vom Stein als erwählten Obmann bekräftigt wurde, zu beweisen, daß jener Grenzbegang nach Uebung des Orts und im Beisein der dazu geladenen Einwohner von Arfurt geschehen sei. Aufgrund der vorgelegten Kundschaften und Instrumente und nach Beratung mit gelehrten Doktoren und Rechtsgelehrten sprechen sie für Recht, daß genügend bewiesen ist, daß der Grenzbegang vorgeschriebener Maßen geschah. Als Bezirk des Hofes Götzenboden weisen sie daher, wie es in dem Rechtshandel enthalten ist : Die Hecke, genannt Gezinboden, die Hecke, genannt Selbach und von der Hecke bis ahn das neuw scheitt in Sultzbecherholtzs und bis an den langen Wasen widder die von Essenauw und die helde und die Bache in bis an den Poppenzeyne und den Poppenrein uß bis an der Herrenholtz von Schadeck und further den Poppenreine heraber bis widder den Kelbertheill und furthanheruß bis an Sullzbecherfeld, die forenn heraus bis widder die von Falkenbach und dann further wieder Vierwartterfeld (Fürfurth) und wiesen. Die von Arfurt haben mit ihrem Widerstand gegen das Kloster wegen dieses Grenzbegangs Unrecht und haben daher die Kosten, die dem Kloster in der Sache erwuchsen und deren Festsetzung die Aussteller sich und dem Obmann vorbehalten zu tragen. Gemäß der zu Limburg gehaltenen Abrede übersenden sie diesen Spruch dem vorgenennten Obmann Friedrich vom Stein mit ihren beiden aufgedrückten Sigg. Am dornstag sant Michels abent anno etc. 1497.

Urkunde Nr. 427 vom 20. Dezember 1497

Friedrich vom Stein, Ritter, bekundet, daß zwischen Aebtissin und Konvent des Klosters Beselich, Klägern, und den Einwohnern des Dorfs Arfurt, Beklagten, Streit bestand wegen eines Grenzbegangs zwischen dem Klosterhof Götzenboden (Gezinbodem) und den Einwohnern jenes Dorfes, und den Parteien die Entscheidung, ob dieser Grenzbegang von Wert oder Unwert sei, je zwei Freunden und dem Aussteller, als Verordneten der Herren der Grafschaft Diez, Isenburg und Solms laut der Vereinbarung übertragen. Durch die zwei von der Gemeinde bestimmten Schiedsmänner und dem Obmann, wurde dem Kloster vormals ein von diesen angenommenes Beirirteil gegeben, daß es den Beweis beibringen sollte.

Nachdem die vier Schiedsmänner zwiespältige Sprüche taten, spricht er nach Beratung mit hochgelehrten und anderen verständigen und weisen, erfahrenen Männern und Prüfung des Rechtshandels für Recht, daß das Kloster den Beweis erbracht hat und der Grenzbegang, worauf es sich gründet von Wert ist. Er fällt somit dem von Friedrich Rödel von Reifenberg und Friedrich Frei von Dehrn gegebenen Spruch zu verweist die Einwohner von Arfurt in die Kosten, die er festzusetzen und zu ermäßigen sich vorbehält.

Aufgedrücktes Sg. Des Ausstellers. Gegeben uff mitwochen nachsanct Lucientag 1497.

Schreiben Nr. 433 von 1504 Mai 2.

Schwester Anna, Meisterin zu Beselich, und der ganze Konvent daselbst an Junker Johann, Grafen zu Wied, Herrn zu Isenburg und Runkel.

Die von Arfurt tun ihnen und ihrem Wald zu Götzinbodem Gewalt an, indem sie ihnen den langen Wasem zulegen, ihr Vieh dort heraustreiben und dazu ihre Hörten und ihr Vieh schlagen. Vor drei oder vier Tagen hätten sie ihren Knecht auf der freien Straße auf den eigenen Aeckern der Aussteller ermodert, wenn er ihnen nicht entgangen wäre. Ihre Kuhhirten haben jene am 1. Mai (uff sant Philippus und Jacobus jämmerlich erschlagen, sodaß die Kühe ohne Hirten hereinkamen und sie nicht wissen, ob er ermordet sei oder irgendwo elendig liege, wie ihr Kellner dem Adressaten sagen soll. Sie rufen ihn als ihren Landesherrn an, sie, die sich nicht selbst helfen können, vor solcher Gewalt, durch die ihnen ihr Recht genommen wird zu schützen, da sie nächst Gott sonst niemand anzurufen wissen.

D. uff deß heiligen crutzes abent im meyhe 1544. Beglaubigt durch Notar Johann Georg Otto.

Urkunde Nr. 437 Limburg 1508 Februar 5.

Hermann von Reckenrode, Oberamtmann und Hermann Schenk zu Schweinsberg, Ritter, bekunden, daß sie in dem Streit zwischen Aebtissin und Konvent des Kl. Beselich einer und den Einwohnern des Dorfs Arfurt andrereseits wegen der Hecken und anderem bei Gyzenboden, worüber viele gütliche und rechtliche Verhandlunden, Schlägerei, Pfändung Holzhauen und anderer Widerwille vorgingen, namens ihrer beiden Herrn von Hessen und Nassau die Parteien unter dem untengenannten Datum in Limburg folgendermaßen gütlich vertragen: Die Hauptsache des Streits, Gehölz, Hecken und Wasem, ist Johann von Reifenberg, Amtleuten und Johann Felden Schh. Zu Niederbrechen zur Entscheidung überlassen, die am 21. Febr. (uff Montag nach Valentini) morgens um 8 Uhr mit den Vertretern beider Parteien zur Augenscheinnahme überlassen die am 21. Februar bei Gyzcemboden erschienen, den Bezirk absteinen und einen besiegelten Kontrakt auf Pergament fertigen sollen, worin festzulegen ist, wie es mit Eicheln, Eckern, Gehölz, Hecken, Trift und Weidgang gehalten werden soll. Wegen der vorgekommenen Tätlichkeiten und anderer Handlungen soll keine Partei von der anderen etwas für Kosten, Pfändung, Zehrung oder sonst zu fordern haben. Was von den gepfändeten Gütern zu Arfurt noch an Kaufgeld vorhanden ist, von dem die Zehrung der gefangenen Männer von Arfurt bei dem Wirt zu Diez angezahlt ist, soll Aebtissin und Konvent zugestellt werden, damit sie den Gottesdienst desto stattlicher vollbringen können.

Die vorgen. Unterhändler übergeben jeder Partei eine Ausfertigung dieses Entscheids unter ihren Pitschier. (Petschaft).

Anno 1533 August 6.: Anna von Brambach, Aebtissin zu Beselich schreibt an Heinrich Riedesel, Amtmann zu Runkel :

Die von Arfurt treiben große Gewalt auf dem Klosterhof Götzenboden und fahren dem Hofmann mit ihrem Vieh auf das Feld, wohin sie nie gefahren sind. Als er sie deshalb pfändete, haben sie ihm auf demselben Feld wieder gepfändet und behaupten, worauf der Hof steht, gehöre ihnen. Da dort Runkel die Herrschaft zusteht, möge der Adressat sie bei ihrem alten Recht schützen. Iene drohen, dem Hofmann den Hof zu verbrennen und zu nehmen.

Geschehen 1533, August 6, D. in die List martyris 1533.

Urkunde Nr. 467 von 1538 November 25.

Aebtissin und Konvent des Klosters und Gotteshauses Beselich, in der Herrschaft Runkel gelegen, bekunden, daß die verwitwete Frau Elisabeth geb. von Nassau, Gräfin von Wied, Frau zu Runkel und Isenburg, ein Kind genannt Itgen, das ihr zu verwahren anvertraut war, ihnen unter folgenden Bedingungen zur Erziehung übergeben hat. Wenn es zu seinen mündigen Tagen und Verstand erwächst und dan ungezwungen und ungedrungen ihren Orden annimmt und in ihrem Kloster bleiben will, so dürfen sie die 500 fl. In Gold, die ihnen von jener Gräfin Elisabeth überliefert sind, zum Nutzen ihres Klosters anlegen. Will jene aber nicht im Kloster bleiben, wenn sie zu ihrem Verstand und erwachsenen Alter kommt, sondern möchte sich mit Rat jener Gräfin Elisabeth, deren Sohns, des Landsherrn der Ausstellerin (unser gnedigen hern) oder sonst ihrer nächsten Verwandten verändern, so sollen die Ansteller die 500 fl. Zurückzahlen oder statt dessen 25 Fl. Zins zahlen, wenn ihnen das besser gefällt.

Hat Itgen im gebührlichen Alter erklärt, bei ihnen zu bleiben, und sich nach alter Gewohnheit einkleiden zu lassen, soll es ihr nicht gestattet sein, das Kloster zu verlassen, sondern ist, wie die Ausstellerin verpflichtet, ihr Leben dort zu enden. Bei deren Tod fallen die 500 Fl. dem Klosterheim gemäß der Verschreibung, welche jene Gräfin Elisabeth ihnen übergeben hat. Als Unterpfand für ihre eigene Verpflichtung zur eventuellen Rückzahlung der Hauptsumme oder Entrichtung der Gülte, setzen sie ihren Hof Gietzenboden in der Herrschaft Runkel, der jl. 26 Malter Korn und 1 Malter Hafer an Pacht sowie sonstige Nutzungen bringt.

Sg. des Herrn Lorentz Bach Abts zu Arnstein, der seine Zustimmung bekundet, und der Ausstellerin.

Villmar 1564, Juli 27.

Peter Zeipnlt, Kellner zu Villmar, schreibt an die Aebtissin des Klosters Beselich. Ihr werde zweifellos durch den Hofmann zu Gitzenboden selber oder durch andere von dessen vielfältigen, unbilligem und gewalttätigem Vorgehen die armen Untertanen des Reinhard von Isenburg., Grafen von Büdingen, seines Herrn, im Dorf Arfurt berichtet sein.

Sie möge ihm mitteilen, ob sie dazu Befehl gegeben habe und ob ihr und dem Konvent an den Rechten des Hofs Gitzenboden, der gemäß dem Schöffenweistum und den gesetzten Landsteinen unmittelbar unter seines Herrn Hoheit und Obrigkeit liege, von diesem oder den Untertanen zu Arfurt an den jl. Pächten oder sonst Behinderung geschehe. Die Adressaten unter der Konvent möge ihm durch den Zeiger dieses verständigen; denn:, sollte der Hofmann mit seinem mutwilligen Vornehmen fortfahren, so könnten sie sich vorstellen, was er dagegen unternehmen müsse.

D. Villmar Donnerstag nach Jacobi.

1564 August 9.

Aebtissin und Konvent des Klosters Beselich schreiben an Graf Johann von Nassau, Katzenelnbogen, Vianden und Diez und Graf Johann zu Wied, Herrn zu Runkel und Isenburg, ihre gnädigen Herrn: Der Kellner zu Villmar hat durch seine Amtsbefohlenen des Dorfs Arfurt ihren Hofmann zu Getzenbodem mit Gewalt angegriffen und in ihrem Hof wider alle Billigkeit gepfändet, nämlich einen Wagen Korn aus der Scheuer des Hofs genommen und am folgenden Tage Pferd und Wagen voll Korn nebst noch einem Wagen, den sie mitbrachten und auch voll Korn luden, nach Arfurt und Villmar geschafft. Da dies in der Runkelschen Hoheit geschehen ist, rufen sie beide Adressaten als Schutz- und Schirmherren des Klosters um Hilfe an.

Anna von Brambach.

1565 August 23.

Anna von Brambach und der Konvent zu Beselich schreiben an Graf Johann von Nassau, Katzenelnbogen, Vianden und Dietz und Graf Johann von Wied, Herrn zu Runkel und Isenburg. Sie müssten folgende dringende Not klagend vorbringen.

Als die Schafe ihres Hofmanns zu Geczenboden, wie seit vielen Jahren hervorgebracht, auf dem Hofgelände weideten, pfändeten die Villmarschen aus dem Dorf Arfurt vier der besten Hämmel und führten sie ohne Entschädigung nach Villmar. Als im vergangenen Jahr 1564 die Schweine des Hofmanns wieder auf dem Gelände des Klosters sich befanden, pfändeten die von Arfurt ein Schwein und behielten es ebenfalls. In der Zeit, als man im letzten Jahr den Zehnten verpachten sollte, sei der Hofmann wie seit alters zu dem Pastor nach Villmar gegangen und habe um den Zehnten auf dem Hof ersucht, auch gegen Bürgschaft in Pacht erhalten und darauf den Zehnten mit seinem Korn eingefahren. Da sei der jetzige Pastor mit wehrhafter Hand und bösen grimmigen Worten gekommen und habe ihn unbegründet Überschreitung in den anstoßenden Zehnten vorgeworfen und die Pachtung des Zehnten aufgesagt. Da der Hofmann sich aber an seinen Pachtvertrag hielt, sei jener am nächsten Tag auf Anregung des Kellners von Villmar mit den Amtsverwandten von Villmar und Arfurt mit wohlgerüsteten, wehrhafter Hand in Abwesenheit des Hofmanns und seines Gesindes außer einer Kindbetterin gekommen, habe die Freiheit des Klosters gebrochen, die Scheuer eröffnet und einen Wagen Korn aufgeladen und wider Landfrieden nach Villmar gefahren. Am 4. Tag danach seien die Arfurter auf Befehl ihrer Obrigkeit abermals mit voller wehrhafter Gewalt erschienen, hatten einen Wagen, den sie mit sich gebracht, auf dem Gelände des Klosterhofs mit Korn beladen, dem Hofmann seine vier Pferde, einen neuen Wagen, vier Ketten und alles zugehörige Geschirr im Wert von mehr als 120 Taler hinweggeführt und den Hofmann, dessen Sohn und Tagelöhner so geschlagen, daß sie in großer Gefahr Lebens und Leibes standen. Danach sei der Kellner mit zwei Schöffen von Oberbrechen und einem Schöffen und Bürgermeister von Arfurt zu dem Hofmann auf den Hof gekommen und habe diesem erklärt, er bekäme das Gepfändete gegen ein Geringes zurück, wenn er nach Villmar folge und ihrem Herrn, dem Grafen von Isenburg - Büdingen Bußeabtrag tue. Andernfalls würde er es veräußern, was auch ohne Erstattung geschehen sei. Sodann hätten am 7. Juni dieses Jahres 1565 die von Arfurt ihre ganze Herde Rindvieh dem Hofmann vor die Türe getrieben und dort weiden lassen. Als dieser sie pfändete, seien jene am hl. Pfingstag, dem 10. Juni, morgens ihrer fünfzehn mit wehrhafter Hand erschienen und hätten sich die Pfänder wieder genommen. Als schließlich am 11. Aug. der Hofmann seinen Weizen auf einem Gelände des Klosters, das seit jeher zehntfrei gewesen sei, auch unter dem vorigen Hofmann frei gelassen sei, gebunden habe, seien der Pastor der Kellner und etliche von Vilmar, insgesamt 9 Personen, mit einem Wagen gekommen und hätten ihm, ohne auszuzählen, in jenem freien Gelände mit Weizen beladen und weggefahren. Die früheren Pastoren zu Vilmar und die Obrigkeit und Amtsverwandten dort hätten sich solcher Eingriffe in die Rechte ihres Hofes nicht angemaßt. Sie baten daher die Adressaten, als Land- Schutz- und Schirmherren des Klosters und Hofs, sie bei ihren alten Rechten und Freiheiten zu schützen und wieder zu dem Gepfändeten zu verhelfen,

Anna von Brambach, Meisterin.

Anno 1565

verkaufen Reinhard von Isenburg - Büdingen und die Brüder Ernst und Eberhard von Solms - Münzenberg unter Zustimmung des Klosters Mathias, dem Erzbischof Johann von Trier, das Amt (= Vogtei) zu Villmar.

1578 September 1.

Graf Johann von Wied, Herr zu Runkel und Isenburg, einer- und Verweserin und Konvent des Klosters Beselich, in der Grafschaft Ruinkel gelegen, andererseits nehmen einen Tausch vor. Der Graf übergibt dem Kloster seinen Hof zu Eschenau nebst zugehörigen Ländereien, Wiesen, Baumgärten, Gärten und anderer Nutzung auch der Schäferei, welche die Gemeinde daselbst und der Hof je zur Hälfte haben, wovon der Hofmann, der gleich anderen Mitmarkern im Runkelschen Gewäld notdürftiges Bauholz erhält und nicht weiter als die übrigen Untertanen des Ortes belastet werden soll, jl. Etwa 14 Malter Korn und 2 ½ Malter Hafer gibt, ferner den großen Zehnten daselbst, der jl. Etwa 12 Malter Korn und 3 ½ Malter Hafer einbringt, wovon der Hofmann und die Nachbarn zu Eschenau jl. Je die Hälfte zu pachten haben, und schließlich eine Ecke seines Wenigshäuser Gewalds, in den Eisenhauben gen, und zwar der oberste Teil nach Hasselbach zu, zwischen dem Feld und Wiesengrund vorm Wolffersberg gelegen, von dem Stein am Kalnberg undigt dem Hasselbacherfeldt an bis herab uf den holenweg, der von Dernbach nach Heckholzhausen gehet, sowie ein Eckchen Wald, das das unterhalb der wenigshäuser Mühle am Beselicher Wald liegt und von der Brudenhecken an bis über den Buchgrabe stößt, wie es abgesteint ist und von der die Gemeinden Schupbach und Gaudernbach ihre angemaßten Rechte kraft Vergleichs aufgegeben haben, wie Heimbürgern Bürgermeister und Gemeinden bekunden. Dagegen übergeben Verweserin und Konvent ihrem Landsherrn Grafen Johann, ihren Hof Götzenboden, ebenfalls in der Herrschaft Runkel gelegen, mit allen zugehörigen Ländereien, Wäldern, Busch, Hecken, Wiesen, Baumgärten, Gärten und anderer Nutzung mit Ausnahme von 6 Fuder Mist die sie sich bis zu anderer Anweisung für ihre Weingärten zu Seelbach vorbehalten. Der Hofmann gibt von diesem Hof jetzt 26 Malter Korn, ½ Malter Weizen und 1 Malter Hafer als Pacht. Beide Parteien haben der anderen alle Urbare Register, Urkk. Und urkundliche Dokumente über diese vertauschten Güter zugestellt; sollten noch welche gefunden werden, so sollen sie gleichfalls überantwortet werden. Das Kloster verpfändet sich mit allen Gütern zur Einhaltung des Vertrags, wogegen es keine Privilegien durch Papst, Kaiser, König oder andere Botentaten und Obrigkeiten schützen. Wenn auch der Vertrag noch unter der letzten Aebtissin Itzen zu Runkel begonnen wurde und diese darüber starb, so wurde er doch durch die nachfolgende jetzige Verweserin Itzigen Wieds vollzogen. - Vergl. Seite 25 Itzen von Wied, Verweserin.

Es siegeln der Graf, das Kloster, Georg Frei von Dehrn auf Bitten derselben, sowie Schultheiß und Schöffen zu Runkel mit ihrem Gerichtssiegel, der Heimbürgerin, Bürgermeister und Gemeinden zu Schupbach und Gaudernbach eines Siegels ermangeln.

Geschehen, den 1. September 1578

Anmerkung :

Die Vogteiansprüche von Villmar auf die beiden Höfe Zultebach und Götzenboden, wurden durch den Hoftausch mit Eschenau von Wied - Runkel zurückgedrängt, sodaß das Gotteshaus Beselich endlich gegen Übergriffe gesichert war.

Aus der Territorialgeschichte des Oberlahnkreises von K. H. May erfahren wir bezüglich des Sulzbacherholz. (Waldbezirk des Hofes Sulzbach = Zultebach), Vertrags zwischen Erzbischof Johann von Trier und Graf Wilhelm von Wied - Runkel vom Jahre 1596.

Im Sulzbacherholz einer Viehtrifft, welche sich bis zum Sulzbacherorth = Eck, auch Wirbelauerorth = gleich Eck, genannt, den Tiefengraben, der Quelle der Tiefenbach erstreckt, eine Grenze zwischen Wied - Runkel und Trier. Der Vertrag sieht weiterhin vor, dass auch unsere Untherthanen zu Arfurt, Seelbach und Götzenhausen oben am Ende das Sulzbacherholz und andere umliegende ihnen zustehende Wälder kommen ein und austreiben, wie auch fahren mögen, sollen sie nicht allein der gemeinen Land- sondern auch der untersten Straßen, so zwischen beiden des Hofes Götzenboden-Feldern, als den Boppenreinerfeld und dem Mittelfeld zu gebrauchen haben.

Die streitige Grenze zwischen den Höfen Zultebach und Götzenboden einerseits und Villmar-Arfurt andererseits

Als Wied - Runkel im Jahre 1578 seinen Hof zu Eschenau an das Kloster Beselich gegen die Höfe Götzenboden und Zultebach eingetauscht hatte, war Wied - Runkel über die Gemarkungen der Höfe weltlicher Besitzer geworden und die Obrigkeit auf diese Herrschaft übergegangen.

Die Ausschreitungen der Vogtei Villmar unter Zuhilfenahme der Arfurter Einwohner gegen die Hofleute und Bediensteten der beiden Höfe, wie diese jahrelang seitens der Vogtei Villmar vorgekommen sind, wurden von Wied - Runkel nicht mehr geduldet. Wied - Runkel konnte gegen die Plünderer, Streithähne und Viehdiebe der Gegenseite eher seine Machtvollkommenheit durchsetzen, als das durch die Wirrungen der Reformation geschwächte Kloster Beselich.

Durch den Verkauf der Vogtei Villmar im Jahre 1565 an den Kurfürsten zu Trier, kam zwischenzeitlich bei Wied - Runkel einerseits und dem Kurfürsten von Trier andererseits eine Verständigung über die Grenzverhältnisse der beiden Territorien zu Stande, die im Jahre 1596 ihre endgültige Festlegung fand.

Die damals abgesteinte Grenze besteht heute noch. Die Grenzsteine tragen auf der trierischen Seite das eingemeißelte Zeichen C. T. (Curfürstentum Trier) und auf der Wied - Runkelischen Seite die Zeichen W. R. (Wied - Runkel). Bei dieser Grenzfestlegung sollen uns nur die Grenzen zwischen Runkel, Arfurt und Seelbach interessieren. Als Ergänzung sollen noch die von K. H. May in seiner Territorialgeschichte des Oberlahnkreises beschriebenen Grenzen, die einzelnen Distrikte herausgestellt werden.

Als neue Grenze wurde der Bachlauf im Tiefengraben, den man auch Tiefenbach nennt, vom Wirbelauerorth = Eck genannt, und bis zur Mündung in die Lahn mit Grenzsteinen versehen. Alles Gelände, rechts dem Bachlauf, von seiner Quelle aus gesehen, bis zur Straße Runkel - Weilburg, wird der Gemarkung Runkel (Wied - Runkelerherrschaft) als Eigentum zugeschlagen.

Hierunter fallen die ehemalige Distrikte des Hofes Zultebach:

1.) Oberes und unteres Wickenstück ;

2.) Das Haferstück ;

3.) Der Kessel, den man früher die Zultebach nannte. (Hier quillt dieser Bach).

4.) Der Langenwasen, eine Viehtrift ;

5.) Oberhalb des Letzteren ein Stück Wald, im ehemaligen Zultebacherholz belegen ;

6.) Sämtliche Wiesen im Tiefenbachtal, soweit solche rechts dem Bachlauf liegen, bis Spanzfurth. Unterhalb dieser Furth sind die Wiesen rechts dem Bach der Gemeinde Schadeck.

 

Die Gemeinde Arfurt (Trierisches Territorium), erhält von dem ehemaligen Zultebacherhofgelände:

1.) Das Hoffeld, ober dem Arfurterdistrikt, Kaelberdell gelegen ;

2.) Den Felddistrikt vor den Hecken ;

3.) Den Boppenrain, von dem Hoffeld des Zultebacherhofes bis zum Tiefenbachtal und die Viehtrift "Im Cramet" ;

4.) Die Viehtrift "Im Cramet," bis an die Götzenbodener - Schneisse und bis in das Tiefenbachtal ;

5.) Ein Waldstück im Zultebacherholz.

Der Hof Götzenboden blieb von dieser Grenzregulierung unberührt; ebenso der Hof Neuscheid in den Marken bis Seelbach. Beide Höfe waren damals Herrschaftsbesitz der Burgherren zu Runkel. Der Hof Götzenboden, wurde im Jahre 1652 von Johann Ernst Graf zu Wied - Runkel nach dem Namen seiner Frau Eleonore in Eleonorenburg umbenannt. Durch die Besitzergreifung von Dorothea Amalie, verwitwete Gräfin von Wied - Runkel im Jahre 1710, wurde die Eleonorenburg in Ludwigsburg umbenannt. Im Jahre 1815 kommt die Ludwigsburg mit Kirchspiel Seelbach an das Herzogtum Nassau. Da der Hof öfters Räubereien und Plünderungen unterlag, wurde er im Jahre 1843 abgebrochen. Seine Felder und Wälder der Gemarkung Seelbach zugeschlagen. Das Wohnhaus wurde nach Schupbach verkauft, und steht heute noch als Ellersches Wohnhaus in diesem Ort. Die Scheune kam nach Runkel, wurde dort wieder aufgestellt in den Hofraiten des Schmieds & Wagner Groß in der Zingelgasse. Das Hofgrundstück ist heute Ackerland.

Der Tiefenbach

Das Wasseraufkommen in der Tiefenbach und der Zultebach war so konstant, daß es eine Mühle mit einem Mahlgang im Winterhalbjahr treiben konnte. Im Sommerhalbjahr war dagegen ein Mühlenteich erforderlich, um das Mühlenwerk zeitweilig in Betrieb zu setzen. Ein Mühlengraben ist heute im Tiefenbachgraben noch sichtbar. Dagegen sind Gebäudereste oder Fundamentmauern von der einstigen Mühle, die in der Heimgeraite des Hofes Zultebach gestanden haben soll, nicht mehr festzustellen. Nur der Damm quer über das Tal unter dem Namen Spansfurth, könnte als Wasserspeicher dem Mühlenteich gedient haben ?

Vergl. Urkunde 405, Seite 14 Halde.

Es ist anzunehmen, daß diese Mühle mit den Hofgebäuden von Zultebach verschwunden sind. Da der Hof als mittelfränkische Siedlung anzusprechen ist, sind aus dieser Zeit Urkunden nicht vorhanden. Durch die Entstehung der Grube Georg Josef zu Wirbelau, wurden die Quellen der Tiefenbach und Zultebach reichlich geschwächt, sodaß die Mühle nicht mehr mit der natürlichen Wasserkraft nur nach Auffüllung des Mühlenteiches in Gang gesetzt werden konnte. Je mehr sich die Grube unter dem heutigen Runkeler-Wald vorschob, desto schneller wurde die Wasserkraft der Mühle lahmgelegt, was ihren Stillstand herbeiführte. Die Quelle der Tiefenbach im Zultebacherholz unter dem Wirbelauereck dient seit dem Jahre 1916 der Gemeinde Runkel zur Wasserversorgung mittels einer Leitung bis in die Stadt. In den sumpfigen Wiesen des heutigen Runkeler - Walddistrikt "Kessel" entspringt die Quelle der Zultebach, die unterhalb des kahlen Köpfchen (Name des Walddistrikts) der Tiefenbach zufließt, wurde im Jahre 1913 durch mehrere Stollentreibungen, als Wasserreservoir, für die Wasserversorgung der Stadt Runkel nutzbar gemacht. Seit dem Jahre 1913 ist diese Wasserversorgung in der Stadt Runkel in Betrieb. Die Schadecker Wasserleitung wurde im Jahre 1916 durch käufliche Erwerbung einer Quelle in der Gemarkung Arfurt Distrikt (= Flurbezeichnung) Kaelberdell erstellt, die bis zum heutigen Tag noch in Betrieb ist.

Benutzte Quellen :

1.) Vogel Topographie für Nassau ;

2.) Territorialgeschichte des Oberlahnkreises von Karl Hermann May ;

3.) Landesgeschichte des Westerwaldes von Hellmuth Gensicke ;

4.) Urkunden der Klöster & Stifte der mittleren Lahn, Band 1 - 4 von H. W. Struck ;

5.) Messtischblatt Weilburg 1 : 2500 ;

6.) Meyers Lexikon vom Jahre 1924 ;

7.) Hypothesen und Überlieferungen.